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Weiterführende Untersuchungen zu kosmetischen Präparaten auf Basis von Calendula-officinalis-Extrakten mittels HPTLC

Angefertigt von: Silvia Ballert

  1. Gutachter: Prof. Dr. Ingo Schellenberg
  2. Gutachter: Dr. Katrin Kabrodt

Auf vielen Kosmetikverpackungen sind heutzutage farbenfrohe Bilder von Blumen, Kräutern, Früchten und sogar Gemüse zu sehen, die dem Verbraucher suggerieren sollen, dass dieses Produkt voll und ganz auf die „Kraft der Natur“ setzt. Im Verständnis des Verbrauchers machen die Inhaltsstoffe dieser ausgelobten Bestandteile einen Großteil des kosmetischen Präparats aus und würden somit auch zu einer positiven physiologischen Wirkung führen, denn was sollte an reiner Naturkosmetik schon schlecht sein. So steigt in den letzten Jahren die Beliebtheit
von „natürlichen“ Kosmetikprodukten. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Viele der als Naturkosmetik deklarierten Präparate enthalten nur einen natürlichen Bestandteil, wie einen Pflanzenextrakt, der besonders auf der Verpackung ausgelobt und in der Werbung vermarktet wird. Da es keinerlei gesetzliche Grundlage zur Definition von Naturkosmetik gibt, besteht hier auch keine Täuschung des Verbrauchers (Ökotest 2011). Was der Verbraucher meist nicht weiß, selbst eine zertifizierte Naturkosmetik, wie jene mit BDIH-Siegel, dürfte nicht physiologisch wirksam werden, da es sich sonst laut § 2 des Arzneimittelgesetzbuch um ein Arzneimittel handeln würde. So ist davon auszugehen, dass die Hersteller nur einem Trend folgen und sich größere Gewinne erhoffen, wenn sie einem konventionellen Kosmetikum einen Pflanzenextrakt zusetzen und diesen gezielt bewerben. Doch auf der Verpackung deklarierte
Pflanzenextrakte müssen auch im Produkt enthalten sein, da es sich sonst um eine Täuschung des Verbrauchers nach § 27 des LFGBs handeln würde. Die Überprüfung der Angaben und Produkte fällt dabei den Landesämtern für Verbraucherschutz zu. Die AG Institute of Bioanalytical Sciences (IBAS) im Center of Life Sciences der Hochschule Anhalt kooperiert in diesem Rahmen bzgl. der Erarbeitung entsprechender Analysenmethoden mit dem Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt. Ziel dieser Arbeit (angefertigt im IBAS) ist es, für den Fachbereich Lebensmittelsicherheit des Landesamts für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt eine Methode zu entwickeln, mit der Ringelblumenextrakte in kosmetischen Präparaten
mittels Hochleistungsdünnschichtchromatographie (HPTLC) nachgewiesen werden können. Die Arbeit basiert dabei auf den von Kühnel (2011) im IBAS entwickelten Methoden zum Nachweis der Calendula officinalis L. anhand eines Triterpenalkohol- und Flavonoid-Fingerprints bei dünnschichtchromatographischer Entwicklung.

Die Triterpenalkohole gehören zu den lipophilen Inhaltsstoffen der Ringelblume, während die Flavonoide zu den polaren Bestandteilen zählen. Beide sind zu einem großen Anteil in der Ringelblume enthalten. Auch die physiologische Wirkung in Bezug auf Wundheilung und Entzündungshemmung werden auf sie zurückgeführt.

Auch wenn die Extrakte in kosmetischen Produkten nur in geringen Mengen enthalten sind, so sollte es sich bei den Substanzen für die Identifizierung um wertgebende Bestandteile der Ringelblume handeln. Weitere Inhaltsstoffe sind Triterpenglykoside, Sterole und auch Carotinoide. Carotinoide sind jedoch in den Extrakten eher unerwünscht, da bei oxidativen Prozessen Verfärbungen der kosmetischen Präparate auftreten können. Als Erstes soll die dünnschichtchromatographische Entwicklung der Triterpenalkohole optimiert werden, um die nach Kühnel (2011) bereits bekannten Banden des Fingerprints der Ringelblume weiter voneinander zu trennen und eine verbesserte Detektierbarkeit mittels Absorptionsmessung sowie eine  massenspektrometrische Analyse zu ermöglichen. Dafür stehen getrocknete Ringelblumenblüten, zwei CO2-Extrakte und ein hydroglykolischer Extrakt der Ringelblume zur Verfügung.
Der zweite Teil der Arbeit besteht darin, eigene selbst hergestellte Kosmetikproben dreier Grundlagen, der Wollwachsalkoholsalbe, der Wasser-in-Öl-Emulsion und der Öl-in-Wasser-Emulsion mit eingearbeiteten Ringelblumenextrakten zu untersuchen. So soll die Probenaufarbeitung und die dünnschichtchromatographische Methode weiter optimiert und eine Aussage über die Nachweisbarkeit von Calendula officinalis in kosmetischen Präparaten mittels HPTLC getroffen werden. Mit der optimierten Methode werden anschließend Proben aus dem freien Handel auf Ringelblumenextrakte untersucht. Abschließend werden mittels HPTLC-MS-Kopplung die Fingerprintbanden untersucht und bestimmt. Da bisher die Ringelblume vor allem durch die Position, Farbe und Fluoreszenz der Banden auf der Kieselgelplatte identifiziert wurde und nur eine Standardsubstanz bei den Triterpenalkoholen zu Verfügung steht, soll die Massenspektrometrie bei der Strukturaufklärung der Substanzen helfen. Nach der Identifizierung der Substanzen könnten weitere als Standard in Frage kommen und somit den Nachweis der Ringelblume erleichtern. Ist eine einsetzbare Methode aufgestellt, muss sie als Standardarbeitsanweisung verfasst und validiert werden. Dabei wird auf Robustheit und Reproduzierbarkeit geprüft. Zudem muss die Spezifität der Methode für die Ringelblume nachgewiesen werden, so dass nicht fälschlicherweise andere Extrakte als Calendula officinalis identifiziert werden.